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Der Drache im Vogelkleid mit Ringelschwanz hat seinen Platz im Innern der Wehrkirche von Bunge im Norden der Insel Gotland. Im Freilichtmuseum Bunge steht der dieser Abhandlung zuallermeist zugrunde liegende Bildstein von Lärbro Stora Hammars I (s. Bilder 5 und 6, nächster Abschn.). 

Das Museum Bunge ist neben dem bestens ausgestatteten "Gotlands Fornsal" in der Inselhauptstadt Visby eines der wichtigsten Museen Gotlands. 

 

 

 

 

 

Gotländer am Externstein

 

Neue ikonographische Betrachtungen an den  Steinmetzwerken der Externsteine im Osning, heute Teutoburger Wald. 

 

Ein Forschungsbeitrag von Siegfried Schröder 

 

 

 

Diesen Meisterstücken aus frühmittelalterlicher Künstlerhand  am Kulturdenk-mal Externsteine stehen mythische Bildwerke gegenüber, die von kongenialen Künstlern auf sorgfältig abgeflachten, übermannshoch geformten Steinen auf der schwedischen Ostsee-Insel Gotland geschaffen wurden. Haben die Kunsthand-werker von der Insel auch dem Externstein-Heiligtum im Osning, dem Teuto-burger Wald, ihren Bildhauer-Stempel aufgedrückt? 

 

Der Expansion der Freiheit und Kampf liebenden Goten, Wandalen, Burgunder im Zuge der Großen Völkerwanderung schlossen sich auch die Guten (die Got-länder als nordischer Volksstamm) an. Mit ihren schwedischen und norwegischen Verwandten gründeten sie als Normannen bzw. Waräger Nowgorod, bald darauf  das Reich von Kiew. Sie setzten Segel auf dem Dnjepr und dem Schwarzen Meer, um selbst dem Kaiserhof in Byzanz-Konstantinopel ihre kriegerische Aufwartung zu machen. Die Krieger, Händler und Kunst-Touristen von der Ostseeinsel bestaunten nicht nur die Werke der Griechen und Römer, sondern nahmen auch in sich auf das Erlebte und Erlittene ihrer Volksverwandten, die als Glücksritter in römisch-byzantinischen Heeren Dienst taten. Der Mensch hatte sich längst zum schlimmsten Raubtier der Welt entwickelt und hatte sich die Erde untertan gemacht.  Herzlich gern nahmen die Nor(d)mannen nicht nur geistig kulturelle Güter auf am Goldenen Horn (Meerbusen vor Konstantinopel) sondern auch materielle Werte an Münzen und Barren, - wenn nicht durch Verdienst so durch Gewalt. Gold, das sie in ihrer Heimat im ureigenen Stil kunstfertig zu bewundernswertem Geschmeide um- und verarbeiteten. Aber auch auf Gotland kehrten unfriedliche Zeiten ein, so dass die Reichen und Schönen ihren Schmuck vergruben, zur großen Freude der Archäologen. 

 

Ganz besonders eng gestalteten sich die Handels- und Kulturbeziehungen zwischen Gotland und Westfalen, wie mannigfach bezeugt. Die ostwestfälische Salz- und Handelsstadt Soest war im 12. Jhd. eine der reichsten und einfluss-reichsten Binnen-Hansestädte in Europa. Ihr war einer der vier Schlüssel zur Schatzkammer der Hanse anvertraut. Diese Schatzkammer befand sich in der Marienkirche von Visby, der Hauptstadt Gotlands. Die Marienkirche von Visby wurde etwa zur gleichen Zeit errichtet wie die Soester Kirche "Maria zur Höhe", allgemein Hohnekirche genannt. Zur Sensation geriet die Auffindung eines Scheibenkreuzes in der Hohnekirche, das alle Merkmale einer gotländischen Werkstatt aufwies. Das Kreuz ist etwa um 1200 n.Chr. angefertigt worden, war wegen seiner Größe (vier Meter hoch) zur Aufstellung in der Kirche ungeeignet und wurde daher in einen Abstellraum verbannt. Seine Auffindung im Jahre 1868 allerdings erregte großes Aufsehen. 

Die aus der Ferne als Meister Zurückkehrenden formten und fertigten nach eigenen Vorstellungen die Materialien aus Holz, Stein, Bronze, Gold und Silber. Sie brachten und bringen noch heute die Menschen mit ihrer eigenwilligen Kunst zum Staunen. Nicht nur an der hier thematisierten Steinmetzkunst finden die Betrachter Gefallen, vor allem an ihrer unübertroffenen Punz- und Ziselierkunst an Schmuck,  Waffen und Gebrauchsgegenständen. Sehr spannend werden die Objekte dargeboten im "Statens Historiska Museet" (SHM) von Stockholm. Für manches Kunstwerk genügt nicht die eigene Brille, man benötigt ein Vergrößerungsglas, um die Vollkommenheit des Werkes erkennen zu können. 

 

 

 

Bild 2, Rauk/Gotland, 

die "Insel der hundert Kirchen", ist eine lanschaftlich reiszvolle und kulturell bemerkenswerte Insel mit vielsagenden Boden-denkmälern. Die schmucke Hauptstadt Visby hat eine bedeu-tungsvolle Hanse-Vergangenheit. Ihr mittelalterliches Gepräge ist bis heute erhalten. Die Insel ist  auch für Liebhaber von Fossilien, die sich an den westlichen Steilküsten finden lassen wie etwa zwischen Hallshuk und Ireviken, eine Reise wert. Hier auch steht der abgebildete Rauk, der von den Elementen Tag für Tag und Stunde für Stunde bearbeitete Kalkstein. 

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© Der Götterwald Autor Siegfried Schröder Alle Rechte beim Autor