Bildstein-Bilder 

links, Bild 9: Bildstein Lärbro Tängelgarda I,  Bd. I, Tafel 31, Figur 86, 

Kommentar Bd. II, S 92. 

Höhe 2,53 m, von der untersten Kante der Verzierung gemessen.

Kopf 1,27,  Hals 1,01 m breit.  

Gefunden auf einer Wiese "mit der Schauseite nach unten 6 Zoll unter der Grasnarbe ... Figuren sind schwach erhaben gearbeitet, mit Ausnahme der Schräglinie des Segels, die hineingesenkt sind". 

 

rechts, Bild 10: Bildstein Lärbro Tängelgarda IV, Bd I, Tafel 36, Figur 91, Kommentar Bd. II, S. 95. 

Höhe 1,02 m, Breite an der Basis 0,71 m. 

Gefunden an gleicher Stelle wie Stein I (Bild 9), mit Schauseite nach unten. 

 

 

Comic strip Teil 2 

 

Ein weiterer Bildstein aus der Gemeinde Lärbro zeigt dem Betrachter ebenfalls eine spannende Bildergeschichte, der Stein von Tängelgarda I (Bild 9). Wie eine in gewissen Einzelheiten noch ausführlichere Wiederholung der fünften Bildzeile des zuvor beschriebenen Bildsteins I von Hammars im Kapitel "Ein gotländischer Bildstein spricht" erscheint hier die Mordgeschichte. Man beachte zudem die Gleichartigkeit der die Steine umgebenden kunstvoll verschlungenen Borten. Solche verschlungene Elemente sind Teil einer umfassenden Symbolik  nordisch-heidnischen Glaubens. Die Verschlungenheit hat zuweilen kein Ende, da der Anfang mit dem Ende verbunden wird.  

Wir müssen wieder der Deutung eine Chance geben. Auch hier lese ich den Ablauf der Begebenheit von oben nach unten. 

 

Das mit eindringlicher Dramatik geschilderte Geschehen nimmt seinen Ausgang  in dem separat abgeteilten Raum im linken Teil des obersten Bildes. Dort stoßen zwei Männer ihre hochgereckten  Schwerter wie zur bekräftigenden Untermaue-rung einer gegenseitigen Verabredung zusammen. Der Preis für die perfide Vereinbarung, - es geht offenbar um die Tötung zweier Männer  - wandert von einer Hand zur anderen (zieht man den kleinen Stein Tängelgarda IV (Bild 10) zu Rate, so könnte man meinen: hier wird das Gelingen des Gewaltstreichs gefeiert, denn  außerhalb des Separees heben die Leute ihre Trinkhörner zum Prosit /Skal hoch). Das Objekt zwischen den beiden "Helden" in der Hütte ist nicht sicher zu identifizieren, zumal in Bild 9 nicht. Lindquist vermutet in dem Gebilde einen mit Met gefüllten Tierbalg. 

In der oberen Ebene dieser ersten Kopf-Bildreihe ist die Wunschvorstellung (Opferszene?), auf der Ebene darunter die Verwirklichung der Verabredung wiedergegeben. Eine andere Version könnte lauten: der dem Raubvogel zum Fraß dienende Krieger (wg. Spitzkinn, Kinnbart als Mann, wg. der Streitaxt in seiner Hand als Kämpfer einzuordnen) ist ermordet worden und dieser Mord wird in der folgenden Szene gerächt. Hier erleidet der Mann in der Mitte den Todesstoß mit einem Messer meuchlings von hinten in den Rücken und sinkt in die Knie. Das zweite Mordopfer liegt, mit dem Schwert aus dem Sattel gestoßen, tot unter seinem Reitpferd. Der Gegenstand oder das Wesen, das zwischen dem getöteten Reiter und dem Pferdebauch gestaltet ist, entzieht sich der Deutung. Möglicherweise gehört der über dem Pferd schwebende Adler zu dieser Szene. Die oberste Person zwischen den großen Vögeln steht auf dem Rücken des bäuchlings liegenden toten Kriegers. Es könnte sich um eine weibliche Person handeln, falls man einen Zopf erkennen will. Sie könnte eine Waffe führen. 

In der darunter folgenden Bildreihe sehen wir drei Männer mit nach unten gekehrten Schwertern. Sie scheinen sich Gott Wodan/Odin ergeben zu haben. Dieser steigt in sozusagen fliegender Eile von Sleipnir, seinem achtbeinigen Pferd, dessen Zügel herabhängen. Die Dreiecke zwischen den Beinen des Götterrosses sind heilige Zeichen. 

Die dritte Bildreihe kündet davon, auf welche Weise der getötete (geopferte) Reitersmann unter verschiedenen Heil bringenden Zeichen (verschlungene Dreiecke, Kringel, Scheiben) zur Grabstätte oder ideell ins Jenseits (Walhall ?) geleitet wird. 

 

Wir finden interessanterweise in Lärbro Tängelgarda I etliche Übereinstim-mungen mit der Bildreihe fünf von Lärbro St. H. I. Da ist zunächst das Pferd, das über einen auf dem Rücken liegenden offenbar unbewaffneten Menschen, im Tängelgarda-Stein deutlich als Mann zu erkennen (Kinnbart und Haarzipfel), trabt. Auf beiden Steinen wird durch eine senkrecht vom Sattel bis zum Boden eingemeißelte Linie verdeutlicht, dass der unter dem Pferd liegende Mensch der zum Sattel gehörende Reiter ist. Über dem Rücken des Pferdes schwebt ein Adler (Tängelgarda) bzw. lässt sich ein Schwingen schlagender Vogel nieder (Hammars). Die Zügel des Pferdes ergreift jeweils ein Kämpfer, der in der Rechten ein Schwert drohend in die Höhe reckt.

 

Es wird sich zeigen, dass für unser Thema die folgende Frage relevant ist: Was haben die seltsamen, meist nach unten spitz zulaufenden Tuchstreifen zu bedeuten, die von den Armen der dargestellten Personen herabfallen? Im Hammars-Stein tragen in Bildzeile zwei der Mann in der Mitte, in Bildzeile drei der Priester am Altar, sodann in Bildzeile fünf zumindest die vorletzte Person solche Streifen. Im Tängelgarda-Stein können wir im obersten Bild mit der linken, sich in der Hütte verabredenden Person beginnen und fortfahren mit den beiden messer- bzw. schwert-bewehrten Mordbuben (?), in der nächsten Bildzeile mit der linken Figur und in der dritten Bildzeile mit der linken, der rechten und der mittleren Person. Sie alle sind mit dem vom Arm herabfallenden Schal gekennzeichnet / bekleidet. Zu welcher Zunft gehören die derart betuchten Leute? Eine erklärende Beschreibung fehlt auch bei Lindquist. 

Damit kommen wir zum nächsten Abschnitt. 

 

 

 

Bild 11

Ein (mindestens eins) den Dreiecken auf den Gotland-Bildsteinen durchaus vergleichbares Heils-Dreieck ist auf der Sitzkante des "Stuhls" bzw. der Horizontalen des reich verzierten gebeugten Gebildes erkennbar (I-net-Hinweis von "Michael" im leider aufgegebenen Ext.-Forum). Es bleibt das Geheimnis der Erklärer, die das Gebilde als Stuhl erkennen.

Es kann kein Zweifel bestehen, dass das gegenständliche Gebilde einen gänzlich anderen Sinn hat. Wikipedia zeigt das Gebilde in aufgerichteter Weise als Irminsul, eine in Zeiten des Dritten Reichs von Prof. Wilhelm Teudt entwickelte These, - mehr darüber auf der Seite "Irminsul".

 

 

 

Bild 12 

Der markante Mervalla-Runenstein   von Strangnäs in Schweden.

Eine das Kreuz umgür-tende Schlange trägt auf ihrem Rücken die Runen-Nachricht von "Sigrid, die für den Handelsmann Sven den Stein errichtet hat". Das Gebilde, aus dem das siegreiche Kreuz erwächst, ist eine Irminsul, die mit ihren Armen um die Schlangenenden greift. 

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© Der Götterwald Autor Siegfried Schröder Alle Rechte beim Autor