Bild 32

Zur Winterzeit, wenn der Buchenwald entlaubt steht, ergeben sich geheim-nisvolle Ausblicke in die die Externstein-Felsen umgebende Natur. Man kann verstehen, wenn sich zu Frühlingsanfang oder auch zu anderen Zeiten esoterisch veranlagte Menschen von diesen Stimmungen einfangen lassen. Hier schimmern die künstlich geschaffenen Terrassen und Plateaus des Aarsteins durch das dürre Geäst (Blick vom Bärenstein aus).  Haben die Gotländer dem Felsen  ihre Bezeichnung "aetternis-stapi"  vererbt? 

 

 

Zur Etymologie

Eine befriedigende Worterklärung für Externstein hat die Etymologie bis heute nicht liefern können. Eine nachvollziehbare Alternative glaube ich anbieten zu können. Menke 17) hat die Entwicklung des Namens untersucht und dabei folgende Reihung ermittelt, beginnend mit der ältesten Namengebung: lapis agisterstein bzw. lapis agistersteyn, Egisterstein, Exsterstein, Egersterstein, Exterenstein.  Die Übersetzungen in Elsterstein - den Elstern waren die Felsen noch nie als Nistplatz willkommen - u. a. waren für die Wissenschaft höchst unbefriedigend. 

 

Dieser Punkt bedarf  einer gewissen Aufbereitung.

In Ehren alt zu werden, war für unsere prähisatorischen bis frühmittelalterlichen Altvorderen keine ehrenvolle Alternative. Das Leben bestand aus Kampf, aus aggressivem Durchsetzungsvermögen. Alte und Gebrechliche männlichen Geschlechts mussten am Ende ihrer Tage mit der Tötung durch die Angehörigen   rechnen oder eine sorgfältig durchdachte Selbsttötung in Betracht ziehen. Der "Strohtod" war nichtswürdig, der glorreiche Tod hatte möglichst im heldenhaften Kampf zu erfolgen. 

 

De Vries berichtet über Begräbnisbräuche 18) unter Hinweis auf die Ursprungs-sage von Västergötland (Schweden), die Gautreks-Saga. Darin wird über vergreiste Alte berichtet, die, nicht etwa von einer Krankheit befallen, sondern in Aufopferung ihrer selbst sich „von einem steilen Felsen gestürzt“ haben bzw. gestürzt wurden, um von Wodan in seinen Verband der Einherier,  der Endzeit-kämpfer, aufgenommen zu werden. Dieser Felsen für die Menschen, die dem Leben entsagen wollen, trägt den Namen aetternis-stapi. Die Sage soll auf gotländische, heute noch lebendige Erinnerungen an solche aettestupa  (Felsen, Klippen),  zurückgreifen. 

Die Frage steht im Raum: könnten nicht die inzwischen ansässige altsächsisch-engrische Einwohnerschaft am Osning den Namen aetternisstapi  für den heiligen (Menschen-) Opferstein in ihre Sprache übernommen haben? Könnte nicht in der Tat der Name Externstein die verschliffene, vielleicht sogar die getreue gotländische Bezeichnung / Übersetzung von aetternisstapi sein?

Der Stamm der Engern (ehemals Angrivarier) ist in den von Jütland einwan-dernden und landnehmenden Sachsen aufgegangen. Vor ihnen waren in diesem Landstrich die Cherusker ansässig. Sie sind vermutlich nach der Arminius-schlacht (Schlacht im Teutoburger Wald) in einen Sumpf innervölkischen Parteienstreits geraten, der die Sippen und Familien austilgte. Benachbarte Stämme mögen tatkräftig zur Ausrottung beigetragen haben. Tacitus gibt ein vernichtendes Urteil über die vormals so tapferen Cherusker ab. Archäologisch und historiographisch ist der Cherusker-Stamm zweihundert Jahre nach der Schlacht nicht mehr fassbar bzw. dokumentiert. Doch wie es scheint, haben die Cherusker mit ihrer historisch belegten Sig-Sippe - 

Segimerus/Sigmar und sein Sohn Arminius/Sigfrid (?); Segestes/Siggast und Sohn Segimundus/Sigmund; Sigimerus und Sohn Segithank/Sigdank -

in der germanischen Mythologie tiefe Spuren hinterlassen. 

 

Zur Auseinandersetzung mit dem drängenden Sprachproblem müssten sich die Etymologen und Linguisten außerordentlich herausgefordert fühlen, um endlich eine glaubwürdige Worterklärung für Externstein vorlegen zu können. 

 

 

 

17) Karl Theodor Menke 

18) de Vries, Bd. 1 a.a.O., § 141, S. 187 - 189

 

 

 

Bild 33

Raukar (Mz von Rauk) sind auch im Innern der Insel verbreitet, nicht nur an den Küsten. 

Druckversion Druckversion | Sitemap
© Der Götterwald Autor Siegfried Schröder Alle Rechte beim Autor